Über drei Jahre dauerte die Pause zwischen In Farbe und dem neuen Werk Immer in Bewegung bei Revolverheld nun. Jahre, in denen die Band nicht untätig war: Da waren Johannes Strates Solo-Album Die Zeichen stehen auf Sturm wie auch Kris‘ Solo-Werk Immer wenn ich das hier höre, das vor allem durch Diese Tage mit Dante Thomas aufhorchen ließ und dem Revolverheld-Gitarristen einen Sommerhit bescherte, zudem auch einige Auftritte und Solo-Touren. Nun aber das neue Album gemeinsam als Band. Immer in Bewegung ist der Titel – einer, der gut für das Album Pate stehen kann.

Stillstand tut bekanntlich niemandem gut, das wissen auch Revolverheld – und befinden sich somit in beständiger Bewegung. Der Reifeprozess ist dabei gut zu hören, vor allem wenn man die neue Scheibe in eine Reihe mit dem Gesamtwerk der Band stellt. Rebellische Stücke wie Freunde bleiben, das zugegebenermaßen recht plakativ wirkte, findet man hier kaum, dennoch aber sind Revolverheld eine Rockband geblieben, wie schon der titelgebende Opener zeigt, der zum Ende hin gar eine krachige Gitarrenwand mitliefert. Immer wieder begegnet dabei die Reflexion über sich und das Umfeld. Bands deiner Jugend beispielsweise dürfte all jenen aus der Seele sprechen, die ihre eigene Entwicklung beständig mit Musik in Verbindung bringen. Das Denken an die alten Zeiten trifft hier immer wieder mit Bands von einst und bringt es nicht ohne Ironie häufig auf den Punkt: „Die Bands deiner Jugend haben sich längst schon aufgelöst und die anderen machen komischen Elektro.“

Wie schon erwähnt: Gerockt wird weiterhin. Ein klassischer Revolverheld-Rocker ist Wir schmeißen unsere Herzen ins Feuer, das hymnische Elemente enthält, aber auch in seinem hohen Tempo nicht ganz ohne Nachdenklichkeiten begegnet. Auch wenn „nachdenklich“ beizeiten pessimistisch anmuten mag: Dieser Eindruck täuscht. Das, was Revolverheld auf ihrem vierten Album präsentieren, ist durchaus positiv und gut gelaunt. Das zieht sich immer wieder durch das Album und ist gut auf Nummern wie Hinter der Elbe New York zu merken, die zwar reflektieren Charakter haben, aber dennoch ein klanglich optimistisches Bild ergeben, obwohl Zeilen wie „Wir beide waren mal ‘ne Weltstadt // Und jetzt sind wir nur noch ein Dorf“ das eigentlich gar nicht so vermuten lassen würde.

Ein Album, das auf allen Ebenen sehr gelungen begegnet. Musikalisch merkt man der Band ihre Weiterentwicklung an, inhaltlich natürlich auch sehr. Das Schöne daran: Das Album lädt einen dazu ein, selbst zu reflektieren und über sich selbst ein bisschen nachzudenken. Das hochwertige Artwork rundet die Scheibe dann noch ab. Sehr sehr gut!

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Text: Marius Meyer