Wann immer ein neues Album von Sankt Otten erscheint, weiß man, dass etwas Großes bevorsteht. Nach der Trilogie Gottes Synthesizer, Sequencer Liebe und Messias Maschine geht es nun mit Engtanz Depression weiter und direkt lernt man nicht nur die bekannten Elemente, sondern auch die Neuigkeiten zu schätzen. Auf dem Vorgängeralbum hatte man das Gefühl, in einer Kathedrale aus Licht zu stehen, in der keine Schatten zu finden sind. Wie der Name des neuen Albums vermuten lässt, geht es diesmal deutlich düsterer zugange: Momente, in denen Nebelschwaden durch den Raum zu schweben scheinen, Licht- und Schatten und Momente der Finsternis – all das kommt vor, was Engtanz Depression zu dem bisher konturenreichsten Album des Projektes macht.

Grundlegend bleibt jedoch die Mischung aus diversen Elementen elektronischer Musik. Sind die ersten Stücke noch sehr meditativ, wirkt das das krautige, von Tangerine Dream inspirierte Lichtorgelparadies deutlich tanzbarer. Karfreitagskarpfen mit Dolce Vita dagegen erinnert an Kraftwerk und mit Sing die Apokalypse hat man es mit einem zwölf Minuten langen Epos zu tun, das sich immer weiter steigert, nur um in den letzten zwei Minuten eine überraschende Wendung hinzulegen.

Das eigentlich Spannende an diesem, wie auch an allen anderen Alben des Duos, ist, dass man die genannten Pioniere elektronischer Musik nicht einfach lieblos zitiert und diese auf Massenkompatibilität runtergebrochen werden. Stattdessen werden die wesentlichen Elemente herausgearbeitet und mosaikartig neu zusammengefügt. Sankt Otten verfügen zusätzlich nicht nur über ein enormes Maß an Phantasie und Ideenreichtum, sondern setzen dieses auch selbstbewusst um. Heraus kommt wiederum ein Album, das sich im freien Raum bewegt und keine Grenzen zu kennen scheint. Wirklich eine Ausnahmeerscheinung!

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Text: Tristan Osterfeld