Soul aus Deutschland – das kann Grund zur Freude sein, oder aber bestenfalls ein amüsiertes Lächeln hervorrufen. Soul-Puristen sind da ganz schnell mit abwertenden Bemerkungen auf dem Plan, denn um an die Klasse von Motown heranzukommen, dazu bedarf es wohl zumindest eines amerikanischen Akzents. Stephan Scheuss lässt das kalt, und er macht sich daran, einem unterrepräsentierten Genre in der deutschen Musiklandschaft mit seiner langjährigen Erfahrung neues Leben einzuhauchen. Auf One Pure Soul, seinem Soloprojekt, das er neben zahlreichen Kollaborationen betreibt, covert er seine liebsten Soul- und Popnummern und wartet mit drei Eigenkompositionen auf.

Mutig startet Scheuss seine Platte mit einem Beatles-Cover. Baby You Can Drive My Car hat schon für einiges herhalten müssen, doch Scheuss bringt es mit seiner sparsamen Gitarrenbegleitung und samtener Stimme wieder zu seinen Anfängen zurück, denn der Song ist vor allem eine immer noch ansprechende Popnummer. Im Laufe des Albums widmet sich der Leverkusener so illustren Songs wie Harvest For The World (Isley Brothers), Maniac (bekannt aus Flashdance) und What’s Going On von Marvin Gaye und bringt sie allesamt auf den Punkt. Nur seine Gitarren unterstützen seine ohnehin soulige Stimme, und so kommt man genau dem näher, worum es gehen soll: Der Seele der Songs. The Tears Of A Clown ist hierbei ein echter Hinhörer. Auch die Eigenkompositionen folgen diesem Muster. Während Just Go beim ersten Hören noch relativ unbeeindruckend bleibt, sind Reason To Move und No Blues von derselben Qualität wie die gecoverten Songs, irgendwo zwischen berührend, anregend und schön. Überhaupt ist diese Platte genau das: ein schönes, wenn auch nicht besonders aufregendes Album. Aber das war auch nicht das Ziel dieses Projekts. Es war wohl eher so: Ein hochkarätiger deutscher Musiker wollte seinen Landsleuten zeigen, wie gute Musik geht, auch wenn sie nicht die eigene ist. Und das hat auf One Pure Soul hervorragend funktioniert. Wer seine Eltern liebt, schenkt ihnen dieses Album.

Homepage: www.scheuss.de
MySpace: www.myspace.com/stephanscheuss

Text: Karoline Fritzsch