Mit ihrem Debüt haben es Surtr einem nicht leicht gemacht, sie zu mögen. Wer sich nicht schon durch das Plattencover hat abschrecken lassen, das aussah wie Ego-Shooter in den 90er Jahren, bekam eine Ladung Doom Metal um die Ohren gedonnert, die sich nur leider als ziemlicher Brei entpuppte und bei dem man nicht wusste, wo die Band eigentlich hinwollte. Zu lang waren die Lieder, zu schnell wurden sie langweilig. Das ist immerhin gute drei Jahre her und Surtr melden sich mit einem zweiten Album zurück, das den Erstling vergessen werden lässt. Die Melodien wirken deutlich stringenter und fokussierter, die Lieder haben eine angemessene Länge und trotz Abwechslung findet sich endlich auch ein roter Faden.

Surtr haben also im Grunde alles richtig gemacht. Und das kann sich dann auch hören lassen: So beginnt das Album mit Rise Again, in dem leise Orgelklänge für eine morbide Grundstimmung sorgen. Three Winters of War wird mit martialischen Trommeln und flligranen Riffs eingeleitet und steigert sich hin zu epischen Gitarrenriffs. Sonic Doom gibt sich dagegen verspielt aber schön schleppend. Genau wie The Call, das sich in den Untiefen des Doom verliert. Bei den meisten Stücken überzeugt auch der wechselhafte Gesang, wie bei Rebellion, bei dem Tonlagen wechseln und auch die Gitarren die Schnelligkeit wechseln. Langsam dagegen wieder I am the Cross, bevor Fred Karno’s Armo erbreitet zum Schluss noch einmal endzeitliche Stimmung.

Ein kleines Manko ist die Produktion: Diese ist nicht mehr matschig wie auf dem Vorgänger, dafür ist aber alles so sauber abgemischt, sodass es manchmal für den Doom Metal ein wenig zu viel des Guten ist.

Insgesamt bleibt ein positiver Eindruck zurück, leider aber einer, der nicht nachhaltig bleibt. Surtr haben also im Grunde vieles richtig gemacht und bewiesen, dass sie ihr Potenzial auch entfalten können. Die Offenbarung bleiben sie uns aber noch schuldig. So wird das Album wohl eher ein solider Geheimtipp bleiben. Aber wer weiß: Man hat sich massiv gesteigert und vielleicht wird das dritte Album dann der Kracher.

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Rezension: Surtr – World of Doom

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Text: Tristan Osterfeld