Susanne Blech wollen überhaupt nichts aussagen. Sänger Timon Karl Kaleyta wehrt sich vehement gegen Botschaften in Songs, die viele Bands an die Außenwelt vermitteln möchten. Während er das klarstellt, schweift er gerne ab und verwirrt Fragesteller. Vielleicht macht er sich in dieser Form auch nur über eben diese künstlichen Emotionen und dem existierenden Pathos in der Musik lustig. Doch in erster Linie macht er mit Susanne Blech, der Name hat ebenfalls keine Bedeutung, äußerst tanzbaren und deutschsprachigen Elektropop. Mit Worten, die gut zur Musik klingen, in ihrer Gesamtheit aber kaum logisch erscheinen. Dennoch sind einzelne Zeilen teilweise tiefgründig und in ihren Satzkonstruktionen gewandt. Wer mit der neuen Single Helmut Kohl, die digital als EP mit sechs Remix-Versionen erschien, nun einen politischen Song erwartet, liegt natürlich falsch. Das Konzept Susanne Blech bleibt bestehen: Treibener Nonsens-Elektropop, der ins Ohr geht.

Es ist bereits die dritte Single aus dem zweiten Album Triumph der Maschine, das auf Z-Muzic, dem Label des Produzenten und Live-Drummers Sebastian Maier, erschien. Nach ausgiebigem Tourens hat sich die Düsseldorfer Band einen Namen gemacht, an einem neuen Album wird bereits gearbeitet. Four Music war ebenfalls überzeugt und bucht nun die Konzerte der Band. So konnte man Susanne Blech jüngst beim neuesten MLK-Festival Rock’n’Heim im Nachmittagsprogramm bestaunen.

Auch im Kreise vieler frenetischer Audiolith-Fans ist die Band ein Begriff: Zum Hamburger Label pflegt Susanne Blech Freundschaften, so stellt der Egotronic-Remix auf der digital erschienenen EP Helmut Kohl keine große Überraschung dar. Auch würden sie gut ins Konzept des Labels passen. Torsun Burkhardt, Sänger und Gründer von Egotronic, favorisiert Susanne Blech schon länger und sang auch auf dem aktuellen Susanne Blech-Album Triumph der Maschine eine Strophe bei I love Wagner. Der Name des Egotronic-Remix deutet schon an, was man erwarten kann: Torsun bastelte aus dem Original eine rotzigere Nummer, die mit einer gesampelten Vocoder-Stimme beginnt und sich mehr und mehr zu einer rhythmisch betonten Schlagzeug/Gitarren-Harmonie entwickelt. Egotronic selbst sind mittlerweile vom digitalen Musizieren beinahe gänzlich abgekommen und spielen live wie im Studio mit E-Gitarre, Bass und Schlagzeug.

Auf B-Seiten verzichteten Susanne Blech auf der EP, die Remixe bieten jedoch reichlich Bandbreite. Besonders hervorzuheben sind neben dem Egotronic-Beitrag die Interpretationen von Scooter und Pinju. Tengu, Smuskind sowie Sola Plexus steuerten weiterhin Versionen bei. Letztere sind Jerome Vazhayil und Jobin Vazhayil, die den Gesang bei Susanne Blech live verstärken und als Sola Plexus ein bandinternes Projekt pflegen.

Für große Überraschung sorgte der Beitrag vom Hamburger Mainstreamtechno-Trio Scooter. Dies fasziniert und erschreckt ähnlich wie das DJ Bobo-Intro auf dem neuen Album der Züricher Ravepunkband Saalschutz. Damit die Herkunft des Remixes unterstrichen wird, pflanzten Scooter gleich noch Teile ihres Songs Maria (I like it loud) mit ein, der ebenfalls als Torhymne von Borussia Mönchengladbach verwendet wurde. Ein Track zum Augenzwinkern.

Viel rausgeholt hat Pinju, der den knapp dreiminütigen Song zu fast 6 Minuten Laufzeit dehnt und ihm einen beatlastigen Dubstepbruch beschert, der durch seine Brachialität gefällt, partiell ruhiger wird um sich darauf wieder aufzubauen.

Das Original-Zitat von Helmut Kohl „Ja, da haben sie eine Meinung, aber die Meinung stimmt halt nicht.“ findet ebenfalls in den Beiträgen statt. Es ist die patzige Antwort des Kurpflälzers auf einen Jungwähler, der einst die eingestaubten Plakate und Wahlkampfaussagen der CDU kritisierte, da er sich von diesen nicht angesprochen fühlt. (Link zum Video: hier klicken!) Das widersprüchliche wie belustigende Zitat vom korpulenten Altkanzler darf beim Original wie bei den Versionen von Egotronic und Smuskind nicht fehlen. Ebenfalls findet es als Original-TV-Mitschnitt im offiziellen Video zur Single Platz, das wie der Song ähnlich sinnfrei ist, aber sehr schöne Bilder zeigt.

Offizielles Video zu „Helmut Kohl“: http://www.youtube.com/watch?v=lu2_UBrfuDQ

Homepage: www.susanne-blech.de
Facebook: www.facebook.com/susanneblechmusik
Twitter: www.twitter.com/SusanneBlech

Text: Fabian Brüssow