Man stelle sich vor, man würde sich zurücklehnen und einfach nur meditativen Klängen lauschen wollen. Aber es wird einem einfach mal ein Strich durch die Rechnung gemacht, weil Herr Chatwin von Talvihorros einem keine Ruhe gönnen will. Denn während man ruhigen Soundscapes, Gitarrensaiten und Klaviertönen lauscht, scheint es fast so, als würde sich im Hintergrund permanent irgendetwas abspielen, was man nur als disharmonisch bezeichnen kann. So als ob nebenbei jemand versucht, Sender an einem Radio oder einem Fernseher einzustellen, aber man kein vernünftiges Signal bekommt, nur gelegentlich Schnipsel von Klängen, die Assoziationen hervorrufen, aber sobald man sie zugeordnet hat, auch wieder weg sind.

Gleichzeitig entwickelt sich noch zwischen Harmonie und Disharmonie ein Dialog und beide reagieren aufeinander. So als würde man durch eine oberflächlich heil anmutende Welt laufen, die Abgründe aber scheinen schon deutlich durch die Fassaden hindurch. Und gleichzeitig verliert man sich in dieser Welt, die plötzlich ihre Form ändert und einen nicht mehr rauslässt und ein Gefühl der Gefangenschaft und Isolation verbreitet und die Menschen um einen herum einem immer fremder zu werden scheinen.

Auf rein akustische Weise hintergeht Eaten Alive den Hörer, spielt mit seinen Erwartungen, bricht mit diesen und lässt ihn auch mal ins Leere laufen. Ein unberechenbares und gleichzeitig durchkalkuliertes Album, das sowohl fasziniert als auch verstört.

Weitere Artikel
Rezension: Talvihorros – And it was so

Homepage: www.talvihorros.com
Facebook: www.facebook.com/talvihorros
Twitter: www.twitter.com/Talvihorros

Text: Tristan Osterfeld