Schon im Vorfeld hörte man aus Interviews und anderen Statements des Tame Impala Masterminds Kevin Parker wie und vor allem inwiefern sich das neue Album Currents von den beiden Vorgängern unterscheiden sollte. Zum Beispiel sollte die Musik tanzbarer werden, die Stimme mehr in den Vordergrund rücken und die Texte dabei deutlicher, direkter, weniger abstrakt werden. Solche Ankündigungen lassen Fans in der Regel erstmal nervös werden. Wird das neue Material etwa zu anders? Und wird es durch die Änderungen schlechter als die Band, die man liebt? Nicht selten verlieren Künstler durch zu große stilistische Veränderungen viele ihrer Fans, selbst wenn sie dadurch neue gewinnen. Popularität ist Kevin Parker allerdings weniger wichtig: Für ihn ist das Schreiben und Aufnehmen von Musik eine sehr ernste und persönliche Sache.

Allerdings können alle seine Anhänger aufatmen: Currents ist durch und durch ein Tame Impala Album, auch wenn die genannten Änderungen tatsächlich bestehen. Naja, bis auf die Sache mit der Tanzbarkeit, je nachdem nach welcher Art Tanz man sich umsieht. Tatsächlich aber ist der Gesang, der vorher oft mit viel Hall und Effekten bearbeitet war, sehr viel klarer geworden und nimmt nun die Zügel in die Hand, während Gitarren und Synthesizer leiser werden und hauptsächlich unterstützen. Zu merken ist dies vor allem bei den einprägsameren Titeln, sowie Yes I’m Changing oder ‘Cause I’m A Man, in denen außerdem die zuvor bekannte vage Ausdrucksweise und allgemeine Bedeutung eindeutig fehlt, wodurch die Texte allerdings absolut nicht leiden, sondern eine persönliche Bezugsnote gewinnen, die mit dafür verantwortlich ist, dass diese Lieder zu den besten des Albums gehören.

Was das Genre der Musik angeht, hat sich Parker noch ein Stück weiter von Bass und Gitarre entfernt und noch mehr zu Synthies gegriffen. An sich ist das schon schade, vor allem wenn man sich anhört, was er noch immer mit einer relativ simplen Bassline und E-Gitarre anstellen kann (The Less I Know The Better erinnert in dieser Hinsicht sehr an das Debutalbum Innerspeaker, genauso wie Disciples). Das Psychedelische ist jedoch geblieben und so stark zu erkennen wie zuvor, und letztendlich ist es ja genau das, was Tame Impala ausmacht. Im Gegensatz zu vorher sind jedoch auch Ausbrüche zu erkennen. Schon beim ersten Durchlauf des Albums, egal wie unaufmerksam man es auch hört, sticht der Track Past Life heraus, in der eine tief-gepitchte Stimme ohne jegliche Melodie eine Geschichte erzählt und Parkers typische hohe Stimme den Refrain singt. Weiß man zuerst nicht, was man davon halten soll, passt es doch eigentlich zu Parkers verträumter Musik.

Letztendlich hat sich Tame Impala zwar verändert, doch die Musik hat immer noch den gleichen Kern und die gleiche Richtung, sodass sich Fans sehr gut mit dem neuen Material anfreunden können und Ersthörer gleichermaßen Gefallen an ihr finden werden. Currents braucht sich in Punkto Qualität nicht vor den beiden Vorgängern Innerspeaker und Lonersim zu verstecken.

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Text: Alexander Mann