Mystik trifft Gewalt, ein durchaus funktionierendes Konzept. Ob nun im Film oder in der Literatur: die düster-archaischen Bilder schaffen es immer wieder, Rezipienten mit ihrem morbiden Charme zu begeistern. Aber auch in der Musik ist das Konzept durchaus fruchtbar und so macht sich das aus Russland stammende Projekt Tatlum daran, diese Elemente zu verbinden. Wie passend, dass man sich da nach einer Waffe der irischen Krieger aus keltischer Zeit benannt hat: einem Ball, den die Krieger aus dem Gehirn toter Feinde mit Leim herstellten und härteten. Wer das nun abartig finden mag, den wird es nicht verwundern, dass Tatlum mit einer ähnlich abartigen Faszination auf dem Album zu Werke geht.

Man stelle sich vor, man bekommt so einen gehärteten Ball aus Gehirn direkt ins Gesicht geschleudert, so in etwa fühlt sich das Album dann an. Man bewegt sich in Bereichen des Breakcore und zertrümmert eigentlich alles, was um einen herum steht, wobei man selbst vor sakralen Elementen wie buddhistischen Chorälen nicht halt macht, die durch alle möglichen Küchen- und Haushaltsgeräte gejagt wurden.

Ständig werden zudem Sequenzen ausgebremst, beschleunigt oder einfach durch andere ausgetauscht. Eine archaische Grundstimmung behält das Album vor allem durch seine endzeitliche Atmosphäre, in der man versucht zu haben scheint, mit allem, was man noch gefunden hat, irgendeine Form des künstlerischen Ausdrucks zu finden – und zwar die, dass eigentlich allen kaputt ist.

Man merkt, dass Tatlum bereits mit Igorrr oder Ambassador 21 zusammenarbeitete, denn Tatlumn wohnt ein ähnliches Maß an Chaos inne. Man findet sich aber auch schnell zurecht, sobald man die Herangehensweise an diese Musik verstanden hat. Mechanical Rite ist so ein düsteres, kaltes und brutales Album geworden – und verliert auch nach mehreren Hördurchgängen nichts von seiner Faszination.

Homepage: www.tatlum.ru
Soundcloud: www.soundcloud.com/tatlum

Text: Tristan Osterfeld