Das Thema „Credibility unter besonderer Beobachtung von The Voice Of Germany“ überlassen wir an dieser Stelle einfach mal anderen, das Thema Re-Releases um die Weihnachtszeit herum wurde hier und anderorten auch bereits gewaltig durchgekaut, verlassen wir also einfach mal die Nebenschauplätze und gucken auf die vorliegende „Black Edition“ des letztjährigen The BossHoss-Albums Liberty Of Action. Der Hintergrund zur Neuauflage ist laut Band einfach erklärt. Sie waren sehr beschäftigt, „trotzdem entstanden viele neue Songs und massenweise anderes Material, welches für ein Album zu wenig, für eine kurze EP aber zu viel gewesen wäre. Wir wollten das Zeug nicht ungenutzt herum liegen lassen, da wir erst ab Ende Januar 2013 wieder dazu kommen werden, ein neues Album aufzunehmen.“

Zunächst noch einmal ein Blick auf den „regulären Teil“ des Albums, bevor anschließend die Neuerungen im Vordergrund stehen. Bereits vor einem Jahr sorgte das Album für Überraschungen, da die Band sich entschlossen hatte, zwar nach wie vor The BossHoss zu sein, dennoch aber frische Ideen einfließen zu lassen. Riding High, Singing Low zeigte es beispielsweise, das durch den Rock’n’Roll-Flavour erfrischend neu klang. Oder auch Money (That’s What I Want), das überraschend swingt. The BossHoss konnten hier eindeutig überraschen, ohne sich zu verstellen. Die bereits bekannten Stücke wurden teilweise noch leicht überarbeitet und im Sound angepasst, sodass beispielsweise I Keep On Dancing im „Black Edition Mix“ erklingt – dies aber ist vor allem ein Aufpolieren für einen, sagen wir es salopp, „fetteren“ Sound.

Interessant wird es dann vor allem ab Deals With The Devil, das der „Black Edition“ als Single vorangestellt wurde. Ein stampfendes Country-Rock-Stück mit Desert-Staub und Fanfaren, das dem Hörer Spaß macht, bevor Nothing But The Best in hohem Tempo ein BossHoss-Rocker der gewohnten Qualität ist. Highlight des Audio-Teils sind aber die folgenden drei Stücke, hat man hier doch hohen Besuch im Gepäck. Mit den Eagles of Death Metal nimmt man sich Do You Wanna Touch Me (Oh Yeah) von Gary Glitter vor, bei dem man den Spaß an der Aufnahme nur so heraushört. Es folgt Run Run Run, das man sich gemeinsam mit Kitty, Daisy & Lewis vorgenommen hat. Eine gelungene Hommage an den Velvet Underground: Der Gestus des Originals ist erhalten, die Country-Sounds wirken erfrischend. Und dann sind da noch Triggerfinger, Begleiter auf der Tour im Frühjahr, die gemeinsam mit The BossHoss hier den Mad Man Blues von John Lee Hooker neu vertonen – eine Version, die gleichermaßen auf einem The BossHoss-Album wie auch einem Triggerfinger-Album hätte sein können.

Wenn man sich dann durch gute 70 Minuten Audio-Teil gearbeitet hat, ist noch nicht Schluss – nein, man kann die Scheibe gegen die beiliegende DVD austauschen. Auch hier wurde noch einmal alles gegeben. No Deals With The Devil – The Uncensored Band Documentary zeigt in knapp 50 Minuten die Geschichte der Band mit viel Live-Material und ausgiebigen Statements von Boss Burns und Hoss Power. Mit Live at ZDF Bauhaus kommt direkt danach ein vollwertiges Konzert der Band in der intimen Atmosphäre des Bauhaus in Dessau – sie zeigen damit, dass Platz für eine zünftige Country-Party auch in der kleinsten Hütte ist und dass auch auf einer für Band-Verhältnisse kleinen Bühne eine vollwertige BossHoss-Show möglich ist. Nicht nur in den Stücken handwerklich perfekt, sondern auch top-gelaunt, präsentiert sich die Band in Höchstform.

Anschließend geht es noch munter weiter auf der DVD… Auch zu den drei Cover-Versionen, die auf der „Black Edition“-CD zu finden sind, gibt es kleine Making Ofs, die auf der DVD zu finden sind. Eine gute Gelegenheit, auch mal die Gäste bei der Arbeit zu sehen. Kitty, Daisy & Lewis entspannt im Studio, die Eagles of Death Metal voll in ihrem Element oder auch Triggerfinger, die stets gerne den Blues leben – all das ist sehr sehenswert. Wie auch die Dokumentation The BossHoss Mess With Texas, einer Art Roadmovie der BossHoss-Tour durch Texas, wo die Band in kleinen Hallen spielte und auch abseits der Bühnen viel erlebten. Die Bühnenpräsenz ist hier eher Nebensache, vor allem kann man sich dabei amüsieren, fast eine Stunde lang Cowboys in der freien Wildbahn zu erleben. Da hatte jemand Spaß, das sieht man deutlich. Löblicherweise dürfen nun auch die Fans diesen Spaß nachempfinden.

Abgerundet wird die DVD dann noch durch die Clips zu Don’t Gimme That und Live It Up sowie einem Making Of zum Clip von Live It Up. Wenn man alleine schon die DVD nun betrachtet, fällt einem schnell auf, dass es für den Freund der Band eigentlich völlig unerheblich ist, ob er bereits die Erstauflage von Liberty Of Action besitzt, denn mit weit über drei Stunden Material schlägt bereits die DVD manch andere Musik-DVD. Sieht man dazu noch den Mehrwert des Audio-Teils der „Black Edition“, so muss man sagen: Dieser Re-Release ist es definitiv wert, gehört und gesehen zu werden!

Den Trailer zur Scheibe könnt Ihr direkt hier sehen:

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Text: Marius Meyer