Es ist so eine typische Web 2.0-Geschichte: Während Chuck Inglish am Illinois Art Institute in Chicago Kunst studierte und Mikey Rock noch auf der High School war, lernten sich die zwei kennen – via MySpace. Im August 2006 waren The Cool Kids dann bereits einige Monate gegründet und standen die ersten Male auf Partys und in Clubs in Chicago auf der Bühne. Von da an nahm alles seinen Lauf, ein eigenes Label wurde gegründet, der Erfolg wurde größer, irgendwann wurde das eigene Label zu klein… Daher nun also der Wechsel zu XL Recordings (Beggars Group) und Veröffentlichungen weit über die Grenzen Chicagos hinaus – wie zum Beispiel diese hier. The Bake Sale nimmt sich dabei der HipHop-Grätsche zwischen Old School und New School an.

Nun – wie hat man sich das klanglich vorzustellen? Zunächst einmal: Es ist authentischer und hundertprozentiger HipHop. Dabei trifft Old School im Sinne des Klanggewands als gesamten auf New School im Sinne der Art und Weise der Klangerzeugung und der Aktualitätswirkung der Klänge. Das klingt nun zunächst etwas widersprüchlich, trifft es aber eigentlich ziemlich genau. Zwar klingen die Beats deutlich Old School-beeinflusst, aber man hört ihnen an, dass sie nahezu komplett digital erzeugt sind und wirklich nicht gerade altbacken klingen. Die Beats treiben voran, scheppern, haben Bass, vergessen dabei aber auch nicht, abwechslungsreich zu sein. Darüber rappen Chuck und Mikey mit einem ziemlichen Flow ihre Texte und sorgen für eine sehr flüssige Wirkung der Stücke.

Im Großen und Ganzen eigentlich ein wirklich annehmbares HipHop-Album. Allerdings: Man fühlt sich beim Hören sehr häufig an den Klang der To The 5 Boroughs von den Beastie Boys erinnert, mit dem diese Mitte 2004 in Perfektion das Transponieren von Old School-Klang ins digitale Zeitalter vorgemacht haben. Diese Qualität erreichen The Cool Kids auf The Bake Sale leider nicht. Dennoch haben Chuck Inglish und Mikey Rock mit The Bake Sale ein durchaus gutes Album erschaffen, das zumindest denjenigen, die HipHop mögen, gut gefallen könnte. Wer das besagte Beastie Boys-Album mag, kann hier auch eindeutig mal Probehören. Da es aber nun unfair wäre, eine Gruppe an einem Album einer anderen Band zu messen, dessen Klangähnlichkeit vermutlich nicht mal intendiert war, zum Schluss einfach noch einmal pointiert die Feststellung: Ein grundsolides HipHop-Album!

Homepage: www.coolxkids.com
MySpace: www.myspace.com/gocoolkids

Text: Marius Meyer