Wie soll man bei einer solchen Band eine Rezension eigentlich angemessen beginnen? „Am Anfang“ wäre natürlich eine einleuchtende Antwort, aber soll man wirklich die Geschichte nochmal erzählen? Fakt ist jedenfalls, dass The Dubliners eine der berühmtesten Irish-Folkbands sind und seit den 60ern Musik machen, auch wenn schon lange kein Originalmitglied mehr am Leben ist. Der Anfang ist aber aus einem anderen Grund ein guter Beginn für die Rezension, denn anders als eine weitere Best-Of-Veröffentlichung sind die vier Alben, die bei Major Minor erschienen sind, aus der Frühphase der Band, nun neu veröffentlicht worden.

Dazu gehören A Drop Of The Hard Stuff, More Of The Hard Stuff, Drinkin‘ & Courtin‘ und At It Again. Alle Alben wurden von den Original-Tonspuren digital überarbeitet und somit klanglich verbessert.

A Drop Of The Hard Stuff hieß später zwischendurch Seven Drunken Nights, da das erste Stück des Albums 1967 zu einem Hit wurde. Einige Lieder weisen zwar Sympathien für die IRA auf, dabei ist aber zu bedenken, dass das Album lange vor den Unruhen in Nordirland herauskam. Sehr makaber ist dagegen das Lied Weila Waile über eine Kindermörderin, das aber im Gegensatz zum Text sehr fröhlich daherkommt. Die sonstigen Lieder drehen sich ums lasterhafte Leben und Trinken.

Noch im selben Jahr erschien More Of The Hard Stuff und setzt dort an, wo der Vorgänger aufhörte: Wieder gibt es diverse traditionelle irische Stücke, wie Whiskey In The Jar oder The Croppy Boy. Einige revolutionäre Lieder wie A Nation Once Again oder Join The British Army sind ebenfalls darunter, die sich zwischen die selbstgeschriebenen Lieder einfügen. Sehr schön ist auch das Cover A Pub With No Beer“, im Original von Slim Dusty, das wie die Faust aufs Auge auf das Album passt.

Im Gegensatz dazu gibt es auf Drinkin‘ & Courtin‘ ausschließlich traditionelle irische Stücke und eine Interpretation von Dirty Old Town von Ewan MacColl. Durch die Dubliners-Interpretation erlangte das Lied übrigens erst seinen Bekanntheitsgrad, den es bis heute innehat. Dagegen ist The Parting Glass ein Lied, das sowohl in Schottland als auch in Irland bekannt ist und eher introvertiert wirkt, während es mit Maid Of The Sweet Brown Knowe kurz vorm Schluss noch ein Liebeslied zu hören gibt.

Wie bereits A Drop Of The Hard Stuff erschien At It Again zwischenzeitlich unter einem anderen Namen (A Seven Deadly Sins) und in anderer Titelreihenfolge. Ursprünglich erschien es im Jahr 1968. Mit Liedern wie The Irish Navy wird die Trostlosigkeit Irlands thematisiert: Während die Schiffe anderer Nationen irgendwo in fremden Ländern unterwegs sind, bleiben die Iren zu Hause und der einzige Stolz ist es, wenn der Kapitän auf seiner Pfeife trällert und die Matrosen zum Tee nach Hause können. Lieder wie Many Young Men und „I Wish I Were Back In Liverpool dagegen behandeln die irischen Auswanderer.

Es verwundert beim Hören nicht, dass es alle vier Album bei ihrer Veröffentlichung in die britischen Charts geschafft haben. The Dubliners bewiesen zu einer Zeit, in der sich keiner für keltischen Folk interessierte, dass dieser durchaus Charts-tauglich ist. Mittlerweile ist das fast 50 Jahre her, aber die Lieder haben nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Höchste Zeit war es also, dass die Alben in ihrer originalen Form auf CD in verbesserter Klangqualität neu veröffentlicht wurden.

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Text: Tristan Osterfeld