War wohl dann doch alles zu positiv auf dem vorigen Album Acoustic. Nachdem man auf dem Debüt von Marc Euvries Projekt The Eye of Time mit einer endzeitlichen Stimmung begrüßt wurde, so wurde dann ja alles sehr lebensbejahend. Mit Anti ist aber endgültig Schluss damit. Denn Anti ist Dunkelheit, vakuumverpackt – und als Hörer sitzt man mittendrin. Und selbst, wenn man etwas von draußen wahrzunehmen scheint, so ist selbst draußen nur Dunkelheit wahrzunehmen. Finster zwischen Industrial und Kammermusik hin und her schwankend wird ein Horrorszenario aufgebaut, das ästhetisch kaum zu überbieten ist.

Gehen andere Industrialbands mit Verzerrern, Disharmonien, Rauschen und brachialen Samples ans Werk, um zu schocken und den Hörer an seine Belastungsgrenze zu bringen, so ist Anti dagegen fast schon sanft. Aber genau das ist es, was Anti so beeindruckend macht: Alles bleibt subtil, nie gibt es Ausbrüche, sei es nun, ob man Gewitter und Klavier hört, repetitive Cellotöne, Orgeln, das scheinbare Winseln aus weiter Ferne oder düster-grollende Soundscapes oder rituell anmutende Beats. Nie wirkt es anstrengend und doch wirkt es tief im Unterbewussten.

„Ich möchte den Hörer so tief wie nur möglich in die Hölle führen, damit er keine andere Wahl hat als auf den Boden gedrückt zu werden und ins Licht zu springen“, sagte Euvrie selber über dieses Album. Das hat er mit diesem Album auf jeden Fall geschafft und selten hatte man nach einem Album mehr Lust, danach doch etwas Lebensfroheres zu hören…

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Text: Tristan Osterfeld