Manche Filme suchen sich bewusst eine Nische, die dafür sorgt, dass der ganz große kommerzielle Erfolg ausbleibt. In der überwiegenden Zahl der Fälle sind es gerade diese Filme, geliebt von einer Minderheit und ignoriert vom großen Rest der Welt, die dem Zuschauer weit mehr zu bieten haben als jeder Blockbuster. Nachdem M.A. Littler mit seinem fünften Film vor allem die ausgesuchte Menge der Musikfilmkritiker überzeugen konnte, wird The Folk Singer nun auch in Deutschland veröffentlicht und (hoffentlich) einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Wer Musik liebt und meint, sie zu verstehen, sollte sich dieses kleine Meisterwerk nicht entgehen lassen.

Der Film dokumentiert, ohne in irgendeiner Form wertend oder auch nur kommentierend einzugreifen, eine Tour des Folksängers Jon Konrad Wert, der sich unter seinem Pseudonym Possessed by Paul James durch Spelunken in Texas und Louisiana singt. Er trifft auf alte und neue Bekannte, und gemeinsam spielen sie nicht nur zusammen, sondern erzählen vom Touralltag, ihrer Berufung, dem täglichen Wahnsinn und der immerwährenden Angst vor dem finanziellen Ruin. Jon Konrads Frau erwartet ihr erstes Kind, und so nimmt letzteres für ihn immer größere Ausmaße an. Er ist derjenige, der die Sprache inmitten von wilden Trink- und Schießgelagen immer wieder auf jene Zukunftsangst bringt, der immer wieder verzweifelt und mit seiner Karriere hadert. So ist Littlers Film ganz bewusst ein Einblick in ein Leben unter vielen, obwohl man von seinem Untertitel weit mehr erwarten könnte. Wir erfahren Einiges, und zum Teil wirklich Tiefgreifendes, über Männer, Musik und Amerika, aber immer im Kleinen. Der Fokus verlässt zu keiner Zeit Jon Konrad, und an seiner Seite hat man das Gefühl, in einen Strudel aus Religion, Wahnsinn, Verfall und unfassbarer Naturschönheit zu geraten. Eine weiter angelegte Reportage beispielsweise hätte diese Unmittelbarkeit mit ziemlicher Sicherheit zerstört. Die Kinematografie ist durchweg beeindruckend, ohne auf große Effekte aus zu sein – Konrads kleine Welt bietet genug Material, um den Zuschauer in ihrem Bann zu halten. Die Musik wird als genau das dargestellt, was ihre Schöpfer in ihr sehen: eine Notwendigkeit. Man spielt zusammen, oder stellt eigene Songs vor, und der Moment, in dem einem schluchzenden Jon Konrad nichts anderes übrig bleibt, als lauthals zu singen, spiegelt den gesamten Film wider. Während sich alles um sie herum verändert, halten diese Männer an ihrer Musik, dem einzigen, was sie haben, fest.

The Folk Singer ist trotz seiner Mischung aus schrammeliger Musik, irrwitzigen alkoholschwangeren Bar-Gesprächen und tiefen Einblicken in die Seelen einer Gruppe von amerikanischen Männern ein leiser Film. Er ist geprägt von einer Melancholie, die den Zuschauer bis zum Schluss nicht verlässt, und somit ein Kunstwerk, das alles erreicht, was es sich vorgenommen hat.

Der Film ist – das wird man spätestens bei den oben erwähnten Bar-Eskapaden nachvollziehen können – ab 16 freigegeben und bietet (recht hastig übersetzte) deutsche Untertitel sowie als besonderen Leckerbissen den offiziellen Soundtrack beiliegend auf CD. Hier hat man die Möglichkeit, sich die Songs ohne filmisches Hintergrundrauschen zu Gemüte führen zu können.

Text: Karoline Fritzsch