Es kommt immer auf die Perspektive an. Betrachtet man Get Hurt, das fünfte Studioalbum von The Gaslight Anthem, vor dem Hintergrund, dass die amerikanischen Indie-Punktrocker 2008 einmal ein grandioses Album wie The 59’ Sound gemacht haben, ist es absolut enttäuschend, was Brian Fallon und Co. sechs Jahre später abliefern. Misst man das Quartett aber nicht an seinem Meisterwerk oder auch an dem herausragenden Folgealbum American Slang, so ist Get Hurt immerhin eine ganz ordentliche Platte, die sogar einige Hits zu bieten hat. Nüchtern betrachtet aber, ging es nach The 59’ Sound stetig bergab. Zum Glück haben The Gaslight Anthem mit ihrem Abstieg auf einem extrem hohen Niveau begonnen.

Bereits der Opener Stay Vicious kommt ungewohnt hart daher und lässt alles vermissen, was The Gaslight Anthem einst ausgezeichnet hat. Es wirkt, als sollen die lauten Gitarren fehlende Ideen vertuschen. Mit anderen Worten: Der Song ist beliebig, er könnte auch von jeder anderen amerikanischen Punkband sein. Ähnlich verhält es sich mit dem folgenden 1,000 Years. Kleine Lichtblicke wie der Song Get Hurt, Rollin‘ and Tumblin‘, Red Violins und Dark Places schaffen es einfach nicht, die Enttäuschung aufzuwiegen. So sind die Helden von 2008 sechs Jahre später zwar noch immer etwas über dem Durchschnitt, viel mehr jedoch nicht. Einen weiteren Abstieg sollten The Gaslight Anthem sich und ihren Fans ersparen.

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Text: Martin Zenge