Man hat ja schon so einiges gehört, wenn es um die Entstehung von Alben geht. Doch was The Magnetic North uns hier eröffnen, ist weniger Entstehungsgeschichte als vielmehr musikalische Epiphanie: Erland Cooper, besser bekannt als Sänger von Erland & The Carnival, wurde nach eigenem Bekunden Anfang 2011 im Traum von einem Geist besucht, der nicht nur die Idee für ein Album über die Orkneyinseln, sondern auch gleich Songtitel und Musikauszüge bereithielt. Man kann dem Mann nun eine überbordende Fantasie unterstellen, aber wer – welcherart auch immer – vor fast vollendete musikalische Tatsachen gestellt wird, wäre ein Narr, den Rest des Albums nicht hinterherzuschicken. Unterstützt von seinem Bandkollegen Simon Tong und Sängerin Hannah Peel machte sich Cooper auf, um auf der Insel Hoy seinen Traum zu verwirklichen. Mit Geistern möchte man es sich dann doch nicht verscherzen.

Betty Corrigall brachte sich in den 1770er Jahren ums Leben, nachdem sie ungewollt schwanger und von ihrer Dorfgemeinde auf den Orkneyinseln verstoßen wurde. Mehrmals exhumiert und neu begraben, ist Corrigall untrennbar mit der Geschichte der Inselgruppe im Nordatlantik verbunden. Cooper und seine Kollegen haben sich für ihr Album mit dieser Geschichte, Geografie und Folklore der Orkneys beschäftigt und all ihre Eindrücke musikalisch eindrucksvoll verarbeitet. Auch ohne jegliches Vorwissen fühlt man sofort, was für ein abgelegener und ja, vielleicht sogar verwunschener Ort diese Inseln sein müssen. Bay of Skaill und Ward Hill beispielsweise haben genau die ruhigen, beinahe ätherischen Eigenschaften, die wir von anderen Folk-Alben kennen, und tragen in ihren Melodien doch Spannung genug, um weit mehr zu sein als nur eine musikalische Nischenerscheinung. The Black Craig ist geradezu furchteinflößend in seinem düsteren Dräuen, und Betty Corrigall ist gar ein Titel, der eigenhändig so ziemlich alles in den Schatten stellt, was in jüngster Zeit im Bereich Folk und Indie veröffentlicht wurde. So mischen sich auf diesem Konzeptalbum solides Songwriter-Handwerk und aus Naturgewalten und geheimnisvollen Orten gezogene Inspiration zu einem eindrucksvollen Ganzen.

Es ist nicht genug, sich von einem regengepeitschten Strand im Nordatlantik inspirieren zu lassen – das musikalische Können von The Magnetic North ist unverkennbar, und so entsteht aus der Idee eines Albums ein kleines Kunstwerk, das die Orkneys sicher nicht erwartet, aber durchaus verdient haben.

Homepage: www.symphonyofthemagneticnorth.com
Facebook: www.facebook.com/themagneticnorth
Twitter: www.twitter.com/magneticnorth

Text: Karoline Fritzsch