Supergroup mal anders. Die Kombination, die sich The Schwarzenbach nennt, hat es zumindest definitiv in sich. Kammerflimmer Kollektief kennt man ja bereits für ihre Jazz-Electronica-Ambient-Rock-usw.-Klänge. Nachdem sie mit Dietmar Dath, seines Zeichens Popjournalist in linksorientierten Zeitungen und Zeitschriften sowie Feuilletonist bereits diverse Arbeiten für Theater gemacht haben, taten sie sich nun für ein Album zusammen, das eine seltsam-düstere Faszination ausstrahlt. Irgendwo zwischen experimenteller Elektronik, den typischen Kammerflimmer Kollektief und dunklem Storytelling machen es sich The Schwarzenbach bequem.

Therapeutikon zeigt unter anderem so ein typisches Beispiel für das, was The Schwarzenbach ausmacht. Finstere elektronische Klänge mit harmonischem Piano, der schaurig aufgesagte Text („Denken ist was für Bekloppte – sagt der Fachmann“), eingängige weibliche Lautmalerei und im Hintergrund ein nach Free Jazz anmutender Kontrabass. Da braucht es schon gute Nerven. Dennoch fällt es schwer, sich der Faszination zu entziehen, die hier ausgestrahlt wird. Diese Jazz-Anmutung begegnet auch in Streitkräfte aus Zimt, das zusätzlich eine leichte Tom Waits-Atmosphäre mit sich bringt.

Es ist so ein Album, das man in jeder Hinsicht als „abgefahren“ bezeichnen kann, und zwar mit einer positiven Auffassung dieses Begriffs. Immer dann, wenn man denkt, man hat so langsam das Album verstanden, wird man wieder überrascht. Sei es, wenn auf einmal gesungen wird, wo sonst nur Spoken Word war, wenn die Titel sich in experimentellen Frickel-Passagen verlieren oder oder oder… Es ist ein Album, auf dem man auch nach mehreren Durchgängen immer noch etwas Neues entdeckt. Und gerade das macht Farnschiffe so spannend.

Tipp: Das Album unter Kopfhörern hören – so wird die Wirkung noch intensiver.

Homepage: theschwarzenbach.wordpress.com

Text: Marius Meyer