The Slow Show veröffentlichen dieser Tage ihr Debütalbum White Water. Die aus Manchester stammenden Engländer überzeugen mit einem Album voller Melancholie, epischen Songs und wunderschön-traurigen Melodien. Nicht unbedingt Musik, die man mit Manchester in Verbindung bringt, denkt man bei Manchester doch eher an Madchester und an Bands wie Happy Mondays, The Stone Roses oder die Inspiral Carpets. Aber man lässt sich gerne überraschen. White Water ist Musik, die einen einnimmt. Um die markante Bariton-Stimme von Sänger Rob Goodwin zaubern The Slow Show betörend schöne Melodien. Getragene Bläsersätze erzeugen eine selten gehörte, orchestrale Schwermut. Melodien die anschwellen und wieder in sich zusammensinken.

Bereits der Opener Dresden beginnt beeindruckend ungewöhnlich eindringlich mit choralem Gesang. Langsam baut sich der Song um Klavier und Gitarre auf. Und Goodwins Bariton klingt schmerzerfüllt. Mit den einsetzenden Bläsern gewinnt der Refrain an Kraft, kann und will aber nicht den Schwermut ablegen. Long Way Home wird von melancholischen Streicherklängen begleitet. Gitarren malen Akkorde. Die Bläser kommen in der Mitte des Songs dazu und klingen sanftmütig und verletzt. Bei Bloodline wagt sich Goodwin ein wenig die Tonskala hinauf. Der Song entwickelt sich zu einer Perle episch-romantischen Indie-Pops. The Slow Show schaffen es mit Leichtigkeit, Bläser und Streicher in ihre traurigen Songs einzubauen, ohne auch nur ansatzweise Gefahr zu laufen, zu übertreiben oder in die entfernte Nähe kitschigen Pops zu geraten. Bad Day wartet mit einer Moll-lastigen Klavierbegleitung auf. Celli gesellen sich in ihrem Schmerz dazu. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie schlecht ein Tag gewesen sein muss, um solch herzzerreißende Musik hervorbringen zu können. Bei Paint You Like A Rose wird die weibliche Stimme hinzugehaucht. Bläser tauchen den Song in eine wohlig-wärmende Stimmung.

White Water ist eine CD für ausgedehnte Spaziergänge an einer durch Herbststürme aufgewühlten Nordsee. White Water ist Musik, um für die Dauer von elf Songs aus dieser Welt zu treten und zu versinken. White Water ist Musik, mit der man die ergreifende Aussicht von einem Gipfel in den Alpen genießen kann. The Slow Show schenken mit ihrem Debütalbum 45 Minuten Zeit. Man wird vom ersten Ton eingefangen in eine romantisch-traurige Atmosphäre, die einen nicht mehr los lässt, bis der letzte Ton von God Only Knows verklungen ist.

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Text: Thorsten Lühl