„Why do we wait so long?“ fragen Travis im Opener ihres neuen Albums Where You Stand. Die Frage könnte man ihnen auch direkt zurückstellen, denn es ist tatsächlich fünf Jahre her, dass mit Ode To J. Smith das letzte Album der Band um Fran Healy erschien. Manchmal dauert es eben ein wenig – und diese erste wirklich längere Pause seit des Debüts Good Feeling im Jahre 1997 hat sich die Band auch redlich verdient. Vor allem dann, wenn sie mit der Rückkehr ein so starkes Album wie dieses hier präsentieren. „Rome wasn’t built in a day“, dürften sich die Briten gedacht haben – und dass gut Ding nun eben manchmal Weile haben will, hört man hier bestens.

Immer wieder fragt man sich beim Hören, ob das eigentlich die Travis sind, die man kennengelernt hat, oder ob sich da doch etwas verändert hat. Während man das Album so hört, findet man kaum zu einer Antwort, bemerkt aber dabei, wie spannend die Scheibe geworden ist. Travis arbeiten ein wenig im Geiste ihres Durchbruch-Werks The Man Who, wirken aber dabei doch gereift. Was The Man Who und Where You Stand dabei eint: Beide erschienen nach eher Rock-orientierten Werken. Mit dem Unterschied, dass man meint, in diesem Durchgang habe man noch deutlicher versucht, den perfekten Pop-Song zu finden.

Dabei sind Travis wieder eine dieser Bands, die beweisen, dass man vor dem Begriff „Pop“ gar nicht mal so zurückschrecken muss, denn Travis sind weit entfernt von irgendwelchen Trend-Anbiederungen. Ein Stück wie Moving mit seinem hymnischen Charakter zeigt das gut. Es geht nach vorne, es ist hymnisch, es hat Gefühl – Travis, wie man sie kennt und liebt. Und wieder ist man an ebendiesem Punkt, an dem man merkt, dass es die Travis sind, die man kennt, bei denen sich aber doch etwas getan hat. Es ist wohl vor allem der „Drive“, der den Stücken innewohnt, der das Album von früheren Werken unterscheidet, denn trotz Melancholie, Gefühl und Pop-Perlen haben die Stücke Schub.

Auf insgesamt elf Stücken zelebrieren Travis ihre Rückkehr nach den fünf Jahren Pause und überzeugen durch und durch. Die altbekannten Travis treffen auf einen neuen Schwung in ihren Stücken und erschaffen damit eine spannende Platte, die sowohl den alten als auch potenziellen neuen Fans der Band gefallen dürfte.

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Text: Marius Meyer