Es ist circa 1:30 Uhr, ich bin soeben aus einer Kneipe gekommen und mache mich nun auf den Weg nach Hause. Wichtigster Schritt natürlich: Erst einmal Kopfhörer in die Ohren. Heute steht das Album Rock ’n‘ Roll Denkmal von Werner Vogt an. Der für mich unbekannte Künstler macht, wie dem Namen des Albums schon zu entnehmen ist, Rockmusik. Ich höre mich durch die ersten fünf bis sechs Songs der Platte und habe schnell einen guten Eindruck. Ganz nett das Ganze, zwar nichts, was totale Begeisterungsstürme auslöst, aber auf jeden Fall nicht unhörbar. Die Stimme des ostwestfälischen Musikers wirkt auf mich beruhigend und für einen entspannten Abend passend. Ich lasse es mit einem recht positiven Eindruck für diesen Tag gut sein, beschließe aber das Album am nächsten Tag erneut unter die Lupe zu nehmen.

Am nächsten Morgen sieht das Urteil anders aus. Auf einmal finde ich Pass auf, Herzflimmern oder Halt deine Wahrheit ins Licht irgendwie langweilig. Keinerlei Besonderheiten oder musikalische Spielereien, nichts was mich wirklich überzeugen kann. Ich frage mich, ob man Werner Vogt wirklich als Rockmusiker bezeichnen kann, denn in meinen Ohren klingt das eher nach Pop. Vielleicht habe ich durch den Albumtitel Rock ’n‘ Roll Denkmal auch zu hohe Erwartungen gehabt, aber unter Rock stelle ich mir etwas anderes vor. So schnell kann sich die Wahrnehmung also ändern. Daraufhin beschließe ich mich erst einmal über den Künstler und seine Geschichte zu informieren.

Werner Vogt, der bereits 1964 in seiner ersten Band The Loadstones britische und amerikanische Beatmusik coverte, probierte in seiner musikalischen Karriere schon verschiedenste Stile aus. So gab er sich mit der Gruppe The People dem Rhythm&Blues hin und spielte später mit einer anderen Band Progressive Rock. Mehr als 40 Jahre Musizieren hat der Ostwestfale auf dem Buckel, dennoch macht er noch weiter und wollte auch endlich einmal ein Soloalbum ohne großartige Mitarbeit anderer releasen. Für Rock ’n‘ Roll Denkmal nutzte Vogt lediglich seine Gitarre, seinen Gesang und einen Drumcomputer, künstlerische Unterstützung gab es ansonsten nur von Produzent Mickey Meinert. Hauptberuflich arbeitet Werner Vogt jedoch nicht in der Musikbranche, sondern als Richter im Verwaltungsgericht Minden. Nachdem ich mich über den Sänger schlau gemacht habe, gehe ich nun davon aus, dass mein fehlendes Interesse an seiner Musik daher kommt, dass ich einfach zu jung bin, um zu verstehen, was man sich damals unter Rockmusik vorgestellt hat. Ist dies die Musik, die meine Eltern rauf und runter gehört haben, zu denen sie gefeiert und getanzt haben? Diese Vorstellung erscheint Sinn zu ergeben und deshalb könnte genau diese Altersgruppe viel Spaß mit Werner Vogts Rock ’n‘ Roll Denkmal haben!

Homepage: www.wernervogtmusik.de
Facebook: www.facebook.com/WernerVogtMusik

Text: Melvin Damian Klein