Das idyllische Albumcover, teils von Fleetwood Mac’s Rumours abgeguckt, teils American-Dream-Landschaft mit Wasserfall, spiegelt die vorherrschende Stimmung auf Almanac, dem aktuellem Album des Duos Widowspeak nicht wirklich treffend wieder. Zwar besitzen die Kompositionen einen eigenwilligen, mystischen Touch moderner Natürlichkeit, als hätten Sängerin Molly Hamilton und Robert Earl Thomas, musikalische graue Eminenz der Gruppe, die Songs in einem Wald aufgenommen. Im Wald muss es jedoch wenn schon nicht trostlos, dann doch definitiv dunkel und geheimnisvoll gewesen sein, schließlich wirken Kompositionen wie The Dark Age nicht, als stammten sie aus einem emotionalen Hoch.

Trotzdem klingt das Album nicht trostlos, ausgebrannt oder gar depressiv. Dafür kleidet Produzent Kevin McMahon, der zuletzt die Swans klanglich bemerkenswert großartig veredelte, die Songs zu stimmungsvoll und zielstrebig ein, sodass Hamilton zu uns auf dem Opener Perennials durch einen traumartigen Schleier die melancholische Phrase Nothing lasts long enough zu singen scheint. Dass immer wieder die gerade einfachsten harmonischen Momente auf dem Album herausragen, spricht für ein starkes Selbstbild, dass das Duo von sich haben muss. Schließlich sind Musiker, die zu erkennen beginnen, dass weniger tatsächlich manchmal mehr (sogar viel mehr!) sein kann, rar gesät, umso wundervoller, dass beispielsweise der Titeltrack, kurzes Zwischenspiel, aus kaum mehr als ein wenig Field Recordings sowie einer Slidegitarre besteht und zum intensivsten Moment auf der ganzen Platte gerät. Auch das anschließende The Ballad Of The Golden Hour, im Kern eine erstklassige, an den frühen Neil Young erinnernde Ballade, von Hamilons akustischer Gitarre getragen, zählt durch die geschmackvolle Instrumentierung zu einem Highlight.

Ein weiteres hervorragendes Beispiel zur musikalischen Gestaltung ist Thick As Thieves. Eigentlich ein schlagzeugarmer, irrsinniger Kirmeswalzer, machen ihn Dulcimer und Akkordeon zu mehr, als einer simplen, albernen Idee. Das anrührende Storm King beendet schließlich Almanac, dessen gute vierzig Minuten mit der Melange aus klassischem Americana, trockenem Folk und handgemachter Rockmusik der 70er wie im Fluge vorbei gehen und den Hörer nicht unbedingt befriedigt, aber definitiv gebannt zurücklässt.

Weitere Artikel
News: Widowspeak – neues Album + Gratis-Download

Homepage: widowspeak.bandcamp.com
Facebook: www.facebook.com/widowspeakband
Twitter: www.twitter.com/widowspeaking

Text: Fabian Broicher