Am 06. August jährt sich der Todestag von Willy DeVille bereits zum dritten Mal und dennoch ist das Leben und das musikalische Werk DeVilles allgegenwärtig. Zu vielschichtig und gut ist das, was der extrovertierte Typ mit dem Brilli im Schneidezahn, dem Menjou-Bärtchen und den schulterlangen Haaren zu Lebzeiten aufgenommen hat, als dass man es leicht vergessen könnte. Jetzt erscheint anlässlich des dritten Todestags von Willy DeVille eine ungewöhnlich aufwändige und opulent aufgemachte DVD-Box mit drei DVDs und dazu erscheint separat zusätzlich eine CD mit der Audioversion des legendären Live at the Metropol Berlin-Konzerts aus dem Jahre 2002 mit einem Willy DeVille in Bestform.

Die erste beiden DVDs präsentieren die beiden großen und legendären Berlin-Konzerte des Jahres 2002 auf zwei Silberlingen und beweisen die enorme Bühnenpräsenz und die enorme Spielfreude von Willy DeVille und seiner exzellenten Begleitband, die aus einigen bekannten Musikern bestand, wie beim Konzert aus dem Metropol. Hier kann man den Gitarrenvirtuosen Freddy Koella, der auch auf der Violine und der Mandoline begeistern kann, den Bassisten David Keyes, den Percussionisten Boris Kinberg und die beiden Backing Damen Doreene und Yadonda Wise bewundern und auch die unnachahmlichen Stimme von Willy DeVille, der mit seiner whiskeygetränkten und seiner rauchigen Stimme es immer wieder schafft, den Latin Lover glaubhaft zu verkörpern, kommt hier richtig zur Geltung.

Die Songauswahl von Live at the Metropol Berlin, die auch auf CD erscheint, gibt ein gutes Bild über das Werk von Willy DeVille. Neben bekannten Nummern wie Loup Garoup oder Spanish Stroll gibt’s einige Coverversionen zum Beispiel von der Ry Cooder-Nummer Across the borderline. Und wer je die Mariachi-Version von Hey Joe von DeVille hören durfte, der wird die Version von Jimi Hendrix nicht vermissen.

Dann zeigt sich der Sänger gänzlich „akustisch“ und diese Unplugged in Berlin-Aufnahme ist auch zeitlos. Er war zwar nie einer, der mit enormen Soundeffekten gearbeitet hat, aber hier im fahlen Licht der Berliner Columbiahalle und mit dem Willy DeVille Acoustic Trio als musikalischer Stütze, die aus dem Pianisten Seth Faber und dem eben bereits genannten David Keyes am Upright Bass und natürlich wieder Willy, der ganz in schwarz gekleidet ist, besteht, mit Dobro, Gitarre und Mundharmonika bestand, kann er seinen Ruf als weit gereister Mann mit einigen Storys zementieren.

Die Songs sind eher als Hommage an den Rock und Blues der alten Recken wie Little Richard, Elvis, der mit dem alten Leiber und Stoller Klassiker Hound Dog geehrt wird oder auch Ben E. King, der mit Spanish Harlem gewürdigt ist. Zwischen all den Klassikern lugt aber auch gelegentlich ein Song von Willy DeVille hervor. Ein großes Konzert.

Auf DVD 3 dann dieser höchst erbaulichen Box, kann man dann den Privatmenschen Willy DeVille näher beleuchtet sehen, wenn er im höchst informativen Film Beautiful Losers des Regisseurs Diethard Küsters Rede und Antwort steht und auch die Outtakes dieses Films, in dem es neben DeVille auch noch um Marianne Faithfull und Leonard Cohen geht, sind sehr unterhaltsam.

Darüber hinaus kann man noch einen längeren Ausschnitt aus dem Film Va Banque aus dem Jahre 1986 sehen, der ebenfalls von Diethard Küster gedreht wurde und in dem neben dem Urgestein der deutschen Schauspielkunst Rolf Zacher und natürlich Willy DeVille, auch der ehemalige Außenminister Joschka Fischer einen Auftritt haben.

Ein Interview mit dem legendären Musiker und Produzenten einiger Willy DeVille-Alben Jack Nitzsche, der eigentlich als introvertiert und als unnahbar galt und ein großartiges Booklet runden dieses Must have für Willy DeVille Fans ab und komplettieren eine großartige 3-DVD-Box.

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Text: Dennis Kresse