Wind und Farben gründeten sich 2010 im tristen Winter im noch tristeren Neumünster. Musik machen ist in solchen, trostlosen Gegenden so ziemlich die beste Methode, um die Zeit nicht sinnlos verstreichen zu lassen. Viele Bands entstanden so, nicht wenige machen deutschen Punk à la Muff Potter, Captain Planet und Matula, aber der größte Teil ist absolut belanglos. Wind und Farben gehören nicht zur grauen Masse, sie stechen aus ihr heraus. Die drei jungen Männer aus Schleswig-Holstein sind die interessanteste neue deutsche Emo-Punk-Band der letzten Jahre, vermutlich seit Adolar. Ein solch überdurchschnittlich gutes Debütalbum wie Das Entzünden einer Kerze ist das Ende eines Wals schaffen nur die Wenigsten.

Zwei Minuten reichen Wind und Farben aus, um zu beweisen, dass sie einfallsreicher sind als die meisten vergleichbaren jungen Combos zusammen. Der Track heißt 999544. Er verbindet völlig verschiedene Klangwelten und erzählt dabei noch eine Geschichte, die man wieder und wieder hören möchte. Das Trio kann es aber nicht nur vielschichtig, sondern auch eingängig, wie der folgende, poppige Song Phoneutria zeigt. Ruhige Momente, wie sie Lütjenholm bringt, haben Gänsehautcharakter. Das Entzünden einer Kerze ist das Ende eines Wals gibt sich nicht mit einer Sparte zufrieden, es überzeugt auf allen Ebenen. Wind und Farben kommen zwar aus dem Nichts, aber sie haben mehrere Rucksäcke voller guter Songs dabei.

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Text: Martin Zenge