Normalerweise nehme ich bei Worten wie Sound-Tüftler lieber die Finger vom zugehörigen Album. Allerdings hätte ich dann nie Wooden Peak aus Leipzig kennen gelernt. Die beiden Bandmitglieder zaubern tatsächlich aus allem, was sie umgibt, Töne, aber auch Melodien – und die nicht zu knapp. Ein bisschen Pendikel mit englischen Texten oder auch die sehr experimentellen Phasen der Bright Eyes, so klingt Polar – und dann doch wieder ganz anders. Sebastian Bode und Jonas Wolter haben nicht nur viele Stunden im Studio oder eingeschneit im Meißner Hochland verbracht, sondern auch so manche Strecke mit dem Handrekorder zurück gelegt, um die unverwechselbaren, besonderen und interessanten Soundschnipsel zu sammeln, die sich auf dem aktuellen Album zu einer innigen Umarmung zusammenfinden.

Zart und doch mit großer Macht bewegen sich die neun Songs auf Polar auf den Hörer zu, von ihm weg und um ihn herum, verlassen jedoch nie die Hörweite, um nicht aus den Gedanken zu verschwinden. Man merkt dem Album an, mit wie viel Liebe zum Detail und mit welcher Akribie es entstanden ist und bekommt das Gefühl, dass hier so etwas wie ein musikalisches Kind entstanden ist, dem nicht nur die beteiligten Musiker gerne beim Wachsen zuschauen und in erster Linie zuhören mögen. Musik, die den Intellekt herausfordert, ohne dabei die Klischees der intellektuellen Musik zu bedienen und sich so sehr besonders macht.

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Text: Simon-Dominik Otte