Einmal mehr ist es die westfälische Stadt Münster, die uns eine neue Band aus der progressiven Ecke beschert: Ysma. Wie anfangs Long Distance Calling spielt auch dieses Quartett rein instrumental, aber ebenso eine Nummer bodenständiger als die mittlerweile recht populären Postrocker. Bei Ysma bestimmen einzig die Gitarren (neben dem Schlagzeug) den Ton und so wechselt sich Prog-Rock mit Hard Rock ab, um ein drastisches und durch die einfache Produktion schlicht wirkendes Debütalbum entstehen zu lassen. Zusammen mit dem Albumintro Inchoate präsentiert die Band zwölf Stücke, deren unterschiedliche Längen von knapp drei bis fast zehn Minuten andeuten, dass es hier wirklich nur um die Musik geht.

Manchmal fast klassisch wirkend, dann wiederum einfach rockend zeigt die Band, wie breit gefächert guter Prog-Rock sein und dabei auf so wenigen Mitteln basieren kann. Die Rhythmus- und Tempowechsel zeigen die ganze Klasse der Band: sie wandern so zielstrebig durch ihre Stücke, dass man kaum sagen kann, ob ein Solo jetzt kalkuliert oder zufällig eingestreut wurde – so kohärent und natürlich wirken die Songs.

Zugegeben, so mancher Hörer wird sich den Kopf kratzen und sich fragen, was diese schier endlose Spielerei soll – aber genau das ist der Punkt: die Band schafft es einfach, eine Atmosphäre aufzubauen, die keineswegs tausendfach gehört ist, wie bei so vielen Postrock-Alben. Ganz im Gegenteil bleibt die Band dem Postrock fern und zeigt, wie zeitlos gute Musik klingen kann. Wie bereits erwähnt ist das melodiöse und klassisch wirkende Element hier zentral – und man hört es fast durchgängig, ohne, dass es sich abnutzt.

Kurz gesagt: Zum Auftakt haben die Herren von Ysma alles richtig gemacht. Vagrant ist ein wirklich sehr gutes Debütalbum geworden!

Homepage: ysma.bandcamp.com
Facebook: www.facebook.com/YsmaBand

Text: Wolfgang Merx