Wie oft gibt es Alben, die die eigenen Hörgewohnheiten doch massivst auf den Kopf stellen? Wenn Melodien sich plötzlich ganz anders entwickeln, als es sie zu Beginn des Liedes vermuten lassen? Das Jahr ist fast vorbei und eines der wohl ungewöhnlichsten Album hat diesem Jahr das aus Israel stammende und von russischen Migranten ins Leben gerufene Musikprojekt Zlye Kukly veröffentlicht: Nach mehreren Veröffentlichungen auf CD-R erschien nun in Form von Strange Tomorrow die erste CD, auf der sowohl Lieder der beiden Alben The Strange Heavenly City und At the End of Days als auch zwei neue Lieder zu finden sind.

Auf dem Album finden sich insgesamt fünfzehn Lieder, von denen eins in hebräischer und alle anderen in russischer Sprache gehalten sind. Leider sind nur zwei Liedtexte auch in englischer Übersetzung abgedruckt, die aber einen ungefähren Eindruck der Gesamtthematik erkennen lassen: Zukunftsangst, Verzweiflung und Ungewissheit prägen diese beiden Liedtexte.

Die Instrumentierung ist sehr vielseitig ausgefallen: Neben Gitarren kommen E-Gitarren, Flöten, diverse Streichinstrumente, ein Klavier und noch einiges mehr zum Einsatz. Die Lieder selbst bilden eine Mischung aus jüdischen Volksweisen und baltischen Klängen. Dazu gesellt sich ein leichter Hippietouch, der sogar an Changes erinnert, obwohl hier deutlich mehr Instrumente zum Einsatz kommen. Häufig wird der weiche und ruhige männliche Gesang von einer weiblichen Stimme unterstützt.

Ein wirklich sehr schönes und eigenwilliges Album, das sich nur schwer kategorisieren lässt: Es ist weder wirklich Rock noch Folk noch etwas anderes. Vor allem aber ist es ein gutes Album geworden, für das man sich jedoch etwas Zeit nehmen muss, damit sich seine Atmosphäre komplett offenbart.

Homepage: zlyekukly.buchatskyy.com
MySpace: www.myspace.com/zllyekukly

Text: Tristan Osterfeld