Das hätte sich „That little ol Band from Texas“ 1969 wohl auch nicht träumen lassen, dass sie mit ihrem Bluesrock auch unglaubliche 44 Jahre später noch in alle Munde sind. Gegründet in Houston/Texas kamen ZZ Top, nach einigen kleineren Mitgliederwechseln, in der heute noch bestehenden Besetzung mit Dusty Hill an der Gitarre, Bassist Dusty Hill und Schlagzeuger Frank Beard zu unvorstellbarem Erfolg. Nun erscheint mit The Studio Albums 1970-1990 eine hervorragend gemachte Box, die die ersten zehn Album-Klassiker aus der Warner Bros.-Phase enthält und den Weg von ZZ Top aus der Wüste Texas bis hin in die Stadien der Welt skizziert. Die Cover stecken in einem hochwertigen Pappschuber und dass die Musik ebenfalls vom Feinsten ist, das ist jedem Fan von ZZ Top ja klar.

Mit ZZ Tops First Album aus dem Jahr 1971 schufen die drei schon den Sound der sich auch vier Dekaden später noch als typischer ZZ Top-Sound bezeichnet wurde. Zwar noch ein wenig unausgereift, aber mit Songs wie der ersten Single (Somebody Else Been) Shaking Your Tree oder Brown Sugar, wo man schon die ersten Anzeichen für die weitere Karriere der drei Bluesrocker erahnen konnte, auch wenn ZZ Tops First Album noch keinen Platz in den Charts erobern konnte.

Rio Grande Mud erschien 1972 und war das erste Anklopfen der Band an die amerikanischen Billboard 200, das Album erreichte einen zwar nur einen bescheidenen 104 Platz, aber mit der Single Francine erreichte man sogar Platz 69 und sollte den Weg ebnen für das dritte Album.

Tres Hombres war der Durchbruch der beiden Vollbartträger Hill und Gibbons und verkaufte bislang fünf Millionen Einheiten. Mit Jesus left Chicago, „Waitin‘ for the bus und vor allen Dingen mit La Grange schrieb das Trio schon Songs, die bis zum heutigen Tage zu den Favoriten bei ZZ Top-Konzerten gehören.

Das Album Fandango besteht aus einigen Livetiteln und sechs neuen Songs. Fandango war das erste ½ Livealbum der Band und enthielt mit Jailhouse Rock von Elvis Presley und Mellow Down Easy von Willie Dixon auch zwei Coverversionen, während bei den Studioaufnahmen das legendäre Tush enthalten war.

Tejas wurde das nächste Goldalbum für Hill, Gibbons und Beard und hatte mit Arrested for driving while blind oder den Mundharmonika-Künsten auf It’s only love so einige interessante Titel zu bieten. Man spürte, dass die Band sich immer besser als Songschreiber aufeinander eingestellt hatte. Dass Tejas auf Platz 17 kam, ist keine Überraschung, wenn man sich diese feinen Bluesnummern heute nochmal anhört.

Nummer sechs war Degüello und symbolisiert die Experimentierfreude der Texaner, erstmals wurden neben den klassischen Rockbandinstrumenten auf Cheap Sunglasses auch Synthesizer benutzt. Mit dem Cover der Isaac Hayes-Nummer I thank you und dem Bluesklassiker Dust my broom bereiteten sich ZZ Top auf ihren Durchbruch in Europa vor. Dieser sollte am 19. April 1980 passieren, als sich ZZ Top morgens um 4 Uhr auf die Bühne der Essener Grugahalle begaben um im Rahmen der Rockpalast Rocknacht aufzutreten. Danach war alles anders: Aus den amerikanischen Bluesmusikern war buchstäblich über Nacht eine der wichtigsten Acts geworden.

El Loco erschien im Jahr 1981 und verband immer mehr beide Welten, die Welt des Blueses und die der Modernen Musik. Mit Tube Snake Boogie und Pearl Necklace waren die Songs enthalten, für die man auch 32 Jahre später noch gerne das Album hört.

Mit Eliminator schließlich war die Metamorphose zu Superstars perfekt, die Videos wurden spektakulär, Autos wie der Hot Rods, den Billy Gibbons auch privat fuhr, kurzberockte Frauen und dazu dieser unwiderstehliche Beat machten Nummern wie Gimme all your lovin‘, Sharp Dressed Man und Legs zu Hits und es ist nicht verwunderlich, dass die Scheibe sich über 10 Millionen Mal verkaufte.

Auch der Nachfolger Afterburner vertraute auf das bewährte Konzept: tolle Videos und hinreißende Songs wie Sleeping Bag, Stages, Rough Boy oder Velcro Fly sorgten für Freude unter den ZZ Top-Fans, die Afterburner mit fünffachem Platin auszeichneten.

Das zehnte und letzte Album der Warner Bros.-Jahre der Band hieß dann Recylcer und verkaufte sich nicht ganz so gut wie Eliminator oder Afterburner, hatte aber mit der gewohnten Mischung aus alten und neuen Klängen immer noch einen gewissen Erfolg. Mit My heads in Mississippi oder Doubleback konnten die drei aus Texas immerhin noch einen Achtungserfolg verzeichnen.

Es bleibt nur eins: eine unbedingte Empfehlung für diese 10-CD-Box!

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Text: Dennis Kresse
Bild: Warner Bros.