„Die Neubauten spielen unter dem leicht ironischen Titel „Greatest Hits“ ein Set, das die gesamten 35 Jahre ihrer Geschichte abdeckt. Genug klassische Alben – wie ‚Perpetuum Mobile‘, ‚Ende Neu‘, ‚Tabula Rasa‘ oder ‚Silence Is Sexy‘ – um eine großartige Setlist daraus zu destillieren.“ (Blixa Bargeld) Im Rahmen der Ausstellung „‚Geniale Dilletanten‘. Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland“ findet ein Konzert der Berliner Band EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN statt.

Im November 1981 sagten Blixa Bargeld, N.U. Unruh und FM Einheit mit der Veröffentlichung ihres Debütalbums „Kollaps“ konventionellen Hörgewohnheiten den Kampf an. Ihr lärmgewaltiger, rhythmusritueller Anti-Pop – hervorgebracht aus einem zumeist zusammengestohlenen Baustellen-, Schrottplatz- und Heimwerkerbedarfs-Instrumentarium aus Stahlteilen, Fässern, Bohrmaschinen, Hämmern, Sägen und einer ungestimmten E-Gitarre – sollte als Gegengift für die verängstigten, paralysierten und medial sedierten Massen dienen. Gekrönt wurde das zum Leben erweckte Klangmonster durch Bargeld’s markerschütterndes Schreien und den von Untergangsphantasien geschwängerten Texten, die um Zerfall und Zerstörung, Krankheit, Untergang und Tod kreisten. Gerade diese nonkonformistische Mixtur sollte der Grundstein eines völlig neuen Musikverständnisses sein, das später zahllose Mainstream-Popbands wie Depeche Mode, Nine Inch Nails, Marilyn Manson oder Rammstein beeinflusste.

In den Folgejahren baute das um Alexander Hacke und Mark Chung angewachsene Team seine bahnbrechenden Klangfeldversuche immer weiter aus. Die eruptiven Lärm-Parts setzte man zunehmend sparsamer ein, Songstrukturen näherten sich immer mehr konventionelleren Formen an. Anfangs noch von den Medien als bizarre Mauerstadt-Kuriosität belächelt, etablierten sich EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN schon bald zur international gefragten Größe der Gegenwarts- und Pop-Kultur. Sie nahmen an Theater-Projekten mit renommierten Regisseuren und Dramaturgen wie Peter Zadek, Heiner Müller oder Leander Haussmann teil und arbeiteten in ihren weiteren Alben die Kontraste zwischen laut und leise, Lärm und Harmonie bis ans Limit der Frequenzbandbreite aus; getragen von der lyrischen Schaffenskunst Blixa Bargelds.

Mit den Alben „Alles wieder offen“ (2007), „The Jewels“ (2008) und „Lament“ (2014) zeigen sich EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN in einem in seiner Intimität und Fragilität bisher nie da gewesenen Licht. Die einstige Berliner Mauerkrankheit haben Blixa Bargeld, Alexander Hacke, N.U. Unruh, Rudolf Moser und Jochen Arbeit vollends besiegt und die apokalyptischen Visionen und Todessehnsüchte früherer Tage gehören der Vergangenheit an. Den nimmermüden Entdeckergeist indes treibt noch immer das gleiche, heiß lodernde Verlangen an: Die EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN forschen weiter auf ihrer ewigen Suche nach dem noch unentdeckten Geräusch.

Einlass 20 Uhr
Haus der Kunst, Westflügel (unbestuhlt)
Onlinetickets ausverkauft.
Restkarten an der Abendkasse im Haus der Kunst / 40 €

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Konzertbericht: Einstürzende Neubauten – 16.05.2008, Leipzig Haus Auensee

Homepage: www.neubauten.org
Facebook: www.facebook.com/EinstuerzendeNeubauten

Text: Pressefreigabe
Bild: Mote Sinabel